Anale Beschwerden sind häufig vielfältig und weit verbreitet. Trotzdem stellen sie wegen der oft damit verbundenen Angst vor Schmerzen und einem Schamgefühl ein Tabuthema für viele Menschen dar.

Im fortgeschrittenem Alter erkranken immer mehr Menschen an Leiden des Dickdarms oder Mastdarms sowie des Analbereichs, wenngleich auch jüngere Menschen betroffen sein können. Insbesondere der Darmkrebs wird in letzter Zeit von vielen Patienten stärker beachtet.

Seit dem 1.10.2002 ist eine Vorsorgeuntersuchung etabliert, die ab dem 55. Lebensjahr von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt wird.

Die beklagten Beschwerden sind oft uncharakteristisch. Lästiges Nässen und Jucken, Wundsein, sowie Brennen beim Stuhlgang, Schmerzen, Blutungen, Druck im Damm und das Gefühl unvollständiger Stuhlentleerung, aber auch gelegentlich ein permanenter Stuhldrang können auf spezifische Erkrankungen hinweisen.

 

Bei Beschwerden in diesem Bereich geht niemand gern zum Arzt. Da aber bei lang andauernder Erkrankung Folgeschäden nicht auszuschließen sind, sollte der Hausarzt und auch der Spezialist zu Rate gezogen werden.

Das Risiko, eine lebensbedrohliche Krankheit zu übersehen, kann durch die rechtzeitige Vorstellung beim Arzt vermindert werden. Wie inzwischen allgemein bekannt, ist die Krebserkrankung des Dickdarmes in frühen Stadien sehr gut heilbar! Deswegen ist es wichtig, die wenigen Symptome wie den Blutabgang oder Veränderungen der Stuhlgewohnheiten ernst zu nehmen. Nicht immer jedoch muss sofort eine Darmspiegelung durchgeführt werden. Dies entscheidet der Arzt in Ihrem individuellen Fall von mal zu mal.

 

Übersicht über die häufigsten Krankheitsbilder:

 

- Darmkrebs - Abszess und Analfistel 

 

- Analfissur und Analekzem                                  

 

- Hämorrhoiden und Marisken                          

 

- Analthrombose

 

- Inkontinenz

 

- Divertikelkrankheit und andere entzündliche Darmerkrankungen

 

Darmkrebs 

Darmkrebs ist in Deutschland bei Frauen die zweithäufigste Krebsart, bei Männern ist es die dritthäufigste Krebserkrankung. An Darmkrebs sterben in Deutschland jährlich etwa 20.000 Menschen. Am häufigsten sind die unteren Dickdarmabschnitte und der Mastdarm von bösartigen Tumoren betroffen. Weshalb diese Erkrankung beim Einzelnen und genau hier entsteht, ist nicht restlos geklärt. Im Alter tritt Darmkrebs häufiger auf, aber jüngere Menschen sind nicht automatisch vor Darmkrebs geschützt. Wichtig ist die rechtzeitige Diagnose des Darmkrebses, der sich in frühen Stadien lediglich mit Blutbeimengungen im Stuhl als häufigstes Symptom bemerkbar macht. Tückischerweise treten diese auch beim häufigen Hämorrhoidal-Leiden auf und müssen deswegen von diesem abgegrenzt werden. Änderungen der Stuhlgewohnheiten sollten ebenfalls fachärztlich abgeklärt werden.

 

Es gibt Vorstufen des Darmkrebses, sogenannte Polypen. Deren Entstehung hat mehrere Ursachen. Ein begünstigender Faktor ist die Ernährung mit viel Fett, vor allem mit gesättigten Fettsäuren (tierische Fette). Dagegen sollen ungesättigte Fette und faserreiche Nahrungsmittel einen schützenden Einfluss haben. Dafür spricht das geringere Auftreten dieser Erkrankung in Entwicklungsländern. Diese Effekte sind jedoch nicht endgültig bewiesen und wohl auch nicht allein maßgeblich. In den letzten Jahren hat sich der schützende Einfluss einiger Medikamente, z.B. Acetylsalizylsäure, nachweisen lassen. Die Entstehung von Polypen kann damit vermindert werden. Vor einer ständigen Einnahme dieser Medikamente muss wegen der Nebenwirkungen immer ein Arzt kontaktiert werden. Auch Kalzium und Folinsäure sollen einen schützenden Einfluss vor Darmkrebs haben.

 

Damit Darmkrebs entsteht, müssen mehrere genetische Veränderungen, sogenannte Mutationen, in einer Schleimhautzelle hintereinander ablaufen. Deshalb dauert die Entwicklung des Krebses relativ lange (10-15 Jahre nach Entstehen eines Polypen) und kommt auch nicht in jedem Polypen vor. Es gibt Familien, in denen Darmkrebs häufiger auftritt, da die Mutation bereits seit der Geburt besteht. Angehörige können schon vor dem 45. Lebensjahr erkranken oder viele Verwandte an Darmkrebs leiden. Die Mitglieder dieser Familien müssen bereits viel früher und engmaschiger untersucht werden.

 

Die Vorsorgeuntersuchungen beinhalten neben anderen Leistungen die Koloskopie ab dem 55. Lebensjahr und eine Nachfolgekoloskopie nach 10 Jahren. Diese Untersuchungen werden von den Krankenkassen bezahlt, ohne dass der Verdacht auf eine Krebserkrankung oder auf das Vorhandensein von Polypen besteht.

 

Liegt ein Karzinom vor, erfolgt eine Operation über einen Bauchschnitt oder aber (bisher noch in Studien) laparoskopisch. Das befallene Teilstück des Darmes wird mit einem Sicherheitsabstand, den versorgenden Blutgefäßen und den zugehörigen Lymphknoten entfernt. Während der Operation wird der gesamte Bauch untersucht, um eventuelle Zusatzerkrankungen oder auch Absiedlungen des Tumors festzustellen und so die genaue Entscheidung über die nötigen Schritte während der Operation festzulegen.

 

Im feingeweblichen Befund des Tumors erfolgt die Klassifikation, anhand derer die Tumorausdehnung eingestuft wird. Dann beraten Ärzte verschiedener Fachrichtungen über die beste Weiterbehandlung und empfehlen das weitere Vorgehen. Unter Umständen kann sich bei Darmkrebs eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung an den stationären Verlauf anschließen. 

Inzwischen haben sich die Heilungsraten für ein Kolonkarzinom entscheidend verbessert. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt zur Zeit bei 50% aller Patienten. Je eher die Erkrankung entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen (Stadium I: 90%). Die Forschung arbeitet mit Hochdruck auf verschiedenen Gebieten, um die Therapien gegen Darmkrebs noch wirksamer zu machen.

 

Abszess und Analfistel

Ein Abszess ist eine gekapselte, eitrige Entzündung. Im Analbereich beginnt sie in den Afterdrüsen (Proktodealdrüsen) und führt zu einer schmerzhaften Schwellung am Afterrand. Ein Abszess muss chirurgisch eröffnet werden, damit der Eiter abfließen kann. Dadurch sind die akuten Schmerzen zunächst beseitigt.

Häufig liegt einem Abszess eine Analfistel zugrunde. Nur wenn diese gefunden und fachgerecht beseitigt wird, ist ein Wiederauftreten zu vermeiden, wenngleich nicht immer auszuschließen, denn leider kann es immer wieder zu erneuten Abszessen und damit zu Schließmuskelschäden kommen. Zudem müssen bei rezidivierenden Fistelbildungen auch generalisierte Erkrankungen wie zum Beispiel der M. Crohn ausgeschlossen werden.

 

Analfissur und Analekzem

Eine Analfissur (Afterriss) verursacht während und nach der Stuhlentleerung heftige Schmerzen, die über Stunden anhalten können. Diese werden durch eine Rissbildung am Übergang der Mastdarmschleimhaut zur Analhaut verursacht. Diese Rissbildung kann akut durch harten Stuhl oder Fremdkörper ausgelöst werden. Dann ist sie mit einer schmerzstillenden Salbe und stuhlregulierenden Maßnahmen zu behandeln.

Wird der Riss jedoch chronisch, so  kann die Wunde nicht mehr von selbst heilen und es besteht die Gefahr einer Fistelbildung mit teilweiser Zerstörung des Schließmuskels. Eine chronische Analfissur wird deshalb in der Regel operiert werden. Therapieversuche mit Analdehnern, die den gegen den Schmerz anspannenden Schließmuskel weiten und so die Wundheilung fördern sollen, bleiben in der Regel ohne Erfolg.

 

Die Ursachen des Analekzems (juckender Hautausschlag) sind fast immer Hämorrhoiden, aber auch Fissuren und Fisteln mit permanentem Nässen können Ekzeme begünstigen. Entscheidend ist immer die Beseitigung dieser Grunderkrankung. Übertriebene Analhygiene und die dauerhafte Anwendung von Hämorrhoidalsalben müssen als weitere Ursachen für Hautveränderungen benannt werden. Sitzbäder oder Hautschutz-Cremes sind als zusätzliche Heilungsmaßnahmen sinnvoll und begünstigen die Abheilung des Ekzems.

Allerdings müssen bei chronischen Ekzemen Allergien mit speziellen Hauttests als Krankheitsursache ausgeschlossen werden. Selten sind spezielle Hautkrankheiten, z.B. Schuppenflechte (Psoriasis) oder Neurodermitis.

 

Unter dem Begriff Hämorrhoiden versteht man krankhaft vergrößerte Schwellpolster am Übergang vom Mastdarm zum Analkanal. Alle Menschen haben diese Schwellpolster, deren Füllungszustand für die Feinkontinenz wichtig ist. Durch Zivilisationseinflüsse und weitere Faktoren, wie körperliche Belastung oder Geburten, kann es im Laufe der Zeit zu einer Vergrößerung kommen. Diese führt dann zu Afterjucken, Entzündungen, Blutungen oder Stuhlverschmutzung der Wäsche. Treten diese Symptome auf, spricht man von einem Hämorrhoidal-Leiden. Insbesondere der Blutabgang sollte dabei beachtet werden, denn obwohl das Hämorrhoidalleiden häufig und die Blutung aus dem Schwellpolster oft das erste Symptom ist, muss ein bösartiges Leiden ausgeschlossen werden. Zur Therapie werden nach dem Ausmaß der Vergrößerung Verödungen (Sklerosierung) oder das Abbinden mit kleinen Gummiringen (Ligatur) am häufigsten angewendet. Bei ausgedehnteren Vorfällen der vergrößerten Schwellpolster sind operative Verfahren erfolgversprechender. Aus der Vielzahl der Methoden muss dabei durch den Chirurgen die individuell richtige Methode ausgewählt werden und immer im Einzelfall mit dem Patienten besprochen werden.

 

Marisken sind schmerzlose Hautläppchen am Afterrand, die weich oder narbig verhärtet sein können. Häufig werden sie auch als "äußere Hämmorrhoiden" bezeichnet und sind praktisch immer harmlos. Diese Marisken können gelegentlich anschwellen, bedürfen aber in der Regel keiner direkten Behandlung. Allerdings können sie zu Problemen bei der Säuberung des Analbereiches führen und so Reizungen der Analhaut begünstigen. Sie weisen aber auf innere Hämorrhoiden hin, da sie die Überbleibsel von vorgefallenen Schwellpolstern oder Analthrombosen darstellen und häufig aus falschem Stuhlverhalten resultieren. Zur Therapie bleibt in den meisten Fällen nur die chirurgische Abtragung, meistens unter lokaler Betäubung.

 

Analthrombosen sind schmerzhafte Knoten am Afterrand, die häufig fälschlich "äußere Hämorrhoiden" genannt werden. Sie entstehen durch Blutgerinnsel in den Blutadern des Afterrandes begünstigt durch vermehrtes Pressen in den Bauchraum, z.B. beim Stuhlgang oder auch durch Erweiterung der Gefäße durch höhere Wärme. Sie können oft in örtlicher Betäubung entfernt werden. In leichteren Fällen helfen auch schmerzstillende Zäpfchen und Cremes. Nach dem Abklingen der Beschwerden sollte ein begünstigendes Hämorrhoidalleiden ausgeschlossen oder ggf. therapiert werden.